Die Geschichte vom Nikolaus

Vor langer, langer Zeit saßen im Himmel zwei kleine Engel auf einer Wolke und schauten hinab zur Erde. Sie sahen Vögel, die sich im Wind treiben ließen, beobachteten Pferde, die auf grünen Wiesen galoppierten und sie sahen Männer und Frauen, die auf Feldern arbeiteten, Wäsche wuschen oder in der Küche standen und kochten. Und sie sahen Kinder, überall waren Kinder. Manche lachten, manche weinten, manche spielten, manche halfen ihren Müttern und Vätern bei der Arbeit und wieder andere schliefen.
„Weißt du“, sagte plötzlich der eine Engel „ich finde wir sollten den besonders lieben und fleißigen Kindern etwas schenken.“
„Wie kommst du denn jetzt darauf?“ antwortete der andere Engel.
„Na ja, schau mal: Es gibt so viele Kinder, die Ihren Eltern Freude bereiten und brav sind. Die müssten wir doch belohnen, oder?“
„Na gut“ antwortete der andere „du gibst ja sowieso keine Ruhe“.

Als die Engel mit Petrus über ihre Idee sprachen, war er sofort begeistert. Sie überlegten, wann denn ein guter Zeitpunkt wäre, um den Kindern die Geschenke zu überreichen. Zuerst wollten sie es im Sommer machen, wenn es draußen schön warm ist. Aber dann fiel ihnen ein, wie beschwerlich es wäre, wenn man in der großen Hitze die ganzen Geschenke so schwer schleppen muss. Deshalb beschlossen sie, dass der Winter viel besser geeignet ist. Petrus schlug vor, die Geschenke in einen großen Sack zu stecken. Ein Engel hielt den sechsten Dezember für den idealen Termin, ein anderer Engel schlug einen Schlitten mit Rentieren vor, auf dem der Überbringer fahren sollte. Alle waren hellauf begeistert bis zu dem Moment, als ein kleiner Engel, der bisher nichts gesagt hatte, ganz leise fragte:
„Und wer soll die Geschenke bringen?“
Plötzlich war es ganz still. Sie schauten sich fragend an und murmelten leise vor sich hin. Aber keiner hatte eine Idee, wer diese große Verantwortung übernehmen könnte, wer so stark ist, all die Geschenke zu tragen und vor allem, wer den riesigen Schlitten fahren kann. „Ruhe“ rief Petrus auf einmal. „Seit doch mal ruhig, ich habe eine Idee“ fuhr er fort.
„Alle die denken, sie wären die Richtigen, sollen sich nacheinander vorstellen und wir drei wählen dann den Besten aus.“
Die Engel schauten sich an und nickten mit dem Kopf. „Das ist eine gute Idee“ riefen sie begeistert.
„Dann fliegt los und erzählt jedem davon. Heute in einer Woche treffen wir uns genau hier wieder und dann wählen wir drei den Besten aus.“
Eine Woche später waren über 50 Leute gekommen um sich vorzustellen. Um den Richtigen zu finden, hatte sich Petrus drei Aufgaben ausgedacht. Zuallererst musste jeder einen bestimmten Satz vorlesen. Als zweites mussten sie den großen, schweren Sack mit den Geschenken tragen und zu guter letzt musste jeder noch eine Runde mit dem Schlitten fahren.
Der erste Kandidat hieß Herr Brommel und er war riesengroß und sehr stark. Petrus gab ihm einen Zettel, auf dem der Satz geschrieben stand, und Herr Brommel fing sogleich an, ihn vorzulesen: „Ho, ho, ho, liebe Kinder. Ich bringe euch Geschenke, weil ihr so fleißig und lieb wart.“
Petrus war begeistert und auch die Engel klatschten Beifall. Dann ging Herr Brommel zu dem schweren Sack mit den Geschenken, hob ihn hoch und trug ihn über den Platz zum Schlitten. Als er dort ankam blieb er plötzlich stehen, stellte den Sack ab, holte tief Luft und nieste, immer und immer wieder. Er konnte gar nicht mehr aufhören.
„Was hast du denn?“ fragte Petrus besorgt.
„Oh je, ich glaube, das sind wohl die Haare von den Rentieren. Die kitzeln ganz doll in meiner Nase und jetzt muss ich immerzu niesen. Tut mir furchtbar leid, aber das wird wohl nichts“ entschuldigte sich Herr Brommel.
„Uns tut es auch leid, aber wir haben ja Gott sei Dank noch viele andere, die draußen warten und ihr Glück versuchen wollen.“
Einer nach dem anderen stellte sich vor, aber bei jedem war irgendetwas nicht gut. Der eine hatte Bärenkräfte aber eine Piepsstimme, der andere hatte eine tolle Stimme, konnte aber nicht lesen und wieder ein anderer konnte den schweren Sack mit den Geschenken nicht einen Zentimeter hochheben. Petrus und die Engel waren schon am Verzweifeln. Nur noch ein Einziger saß draußen.
„Wie heißt denn unser letzter Freiwilliger?“ fragte Petrus mit erschöpfter Stimme.
„Es ist ein Herr Laus“ sagte ein Engel.
„Oh je. Hoffentlich ist er nicht nur so groß wie eine Laus. Ruft ihn herein.“

Als die Tür aufging, trat ein kleiner, dicker Mann ein, der einen umso größeren, weißen Bart trug.
„Hallo, mein Name ist Laus, Nikolas Laus. Ich will Euch meine Dienste anbieten.“
Petrus und die Engel schauten sich an und plötzlich war da ein kleiner Funken Hoffnung.
„Lies uns doch bitte einmal diesen Satz vor“ sagte Petrus und reichte ihm den Zettel.
Herr Laus räusperte sich kurz und begann zu lesen.
„Ho ho ho, liebe Kinder. Ich bringe Euch Geschenke, weil ihr so fleißig und lieb wart.“
Die Engel klatschten Beifall und auch Petrus war beeindruckt.
Als nächstes ging Herr Laus zu dem großen Sack und hob ihn hoch.
„Trag ihn bitte zum Schlitten“ sagte Petrus und betete, dass er es schaffen würde.
Herr Laus ging zum Schlitten und setzte den Sack ab.
Oh nein, dachte Petrus, hoffentlich muss er nicht auch niesen. Doch genau in diesem Moment geschah etwas Wunderbares. Herr Laus streichelte den Kopf des vordersten Rentieres. Er flüsterte ihm etwas ins Ohr, kraulte anschließend die anderen fünf Rentiere am Kopf und setzte sich dann auf den Schlitten. Wie von selbst trabten die Tiere los und Herr Laus fuhr drei Runden um den ganzen Platz. Als er wieder zum Stehen kam, rannten Petrus und die beiden Engel schon auf ihn zu.
„Du bist es. Ja genau, du bist der Richtige“ riefen sie „du bist unser….“
Sie wollten seinen Namen rufen, aber sie hatten ja noch gar keinen ausgesucht.
„Wie nennen wir dich denn überhaupt?“ fragte Petrus, der inzwischen auch am Schlitten angekommen war.
„Meine Freunde nennen mich Niko“ sagte Herr Laus und einer der Engel sagte:
„Nikolas Laus. Niko Laus, NIKOLAUS! Das ist es. Du bist der Nikolaus und dein weißer Bart passt prächtig zu dir. Die Kinder werden ihn lieben. Jetzt nähen wir dir noch einen schönen, warmen Mantel, damit du auf deiner langen Reise nicht frierst.“
„Und mit dieser Glocke, läutest du immer dann, wenn ein Kind von dir Besuch bekommt“ ergänzte der andere Engel und schwenkte eine goldene Glocke in seiner rechten Hand.
Gesagt, getan und so bekam der Nikolaus einen wunderschönen, roten Mantel mit einer flauschig warmen Kapuze, eine goldene Glocke und einen riesigen Sack voller Geschenke. Seit dieser Zeit ist er unterwegs und bringt den Kindern auf der Erde jedes Jahr am sechsten Dezember leckere Süßigkeiten und schöne Spielzeuge, wenn sie besonders lieb und brav waren.

ENDE

daywalker2709 am 12.12.06 09:22

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Anilein / Website (12.12.06 09:36)
Wieder was gelernt
Feiner Blog, gefällt mir richtig gut!
Lieber Gruß
die Ani

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