Das Biest

Es ist warm und nass da unten.

Langsam und kraftlos schlurf es durch die Gänge, sucht verzweifelt nach den Reserven, die es für so einen Moment eingelagert hatte. ‚Dieser Schwachkopf’, denkt es und spuckt. Grün-grauer Schleim klatscht an die dunkelrot schimmernde, pulsierende Adernwand.

Seine Augen sind geschwollen, sein Blick tot und kalt. Die Vorratskammern sind fast leer. Es öffnet eine Tür, auf der in schwarzen Großbuchstaben geschrieben steht: NIKOTIN – Kammer 10. Dahinter ist es dunkel. Das Biest gluckst unruhig. Ein grüner Lichtstrahl quillt aus seinen Augen. Voller Hoffnung durchleuchtet es damit die Kammer. Dann beginnt es zu wimmern, kläglich. Es beobachtet, wie der letzte Rest des kostbaren Goldes aufgesaugt wird.

„Gib es wieder her“ schreit es und jagt seine Krallen in die warme, weiche Seitenwand der Kammer. Blut tropft heraus, die Wand aus Fleisch zuckt angewidert.

„Es gehört mir! Du darfst nicht alles für dich haben!“

Das Biest ist wütend. Es stapft durch den Raum, reißt seine Arme weit auseinander und lässt sich auf den Boden fallen. Lange, ledrige Krallenhände grabschen zügellos nach dem Rest des Lebenselixiers, das auf dem Boden liegt und zu versinken droht.

Es hebt die Hände und lächelt. In seinen Klauen hält es ein kleines Häufchen.

„Jaaaaaaaaaaa“, zischt es versöhnlich und betrachtet den Fund.

Doch das Häufchen bewegt sich. Es will nicht bleiben, strebt nach unten, wird angezogen, rinnt durch die Klauen. „Nein“ schreit das Biest, „Nein, nein, nein, bleib, geh nicht fort“. Der Brei sickert durch die Klauen, tropft auf das zuckende Fleisch, wird aufgesaugt, schnell und restlos.

Das Biest steht auf, schlägt die Klauen an seinen knöchernen Kopf, immer wieder. Dann beginnt es zu rennen. „Du musst rauchen“ brüllt es wie von Sinnen und schlägt gegen die rosa schillernde Wand. „Los, rauch jetzt oder willst du mich verrecken lassen?“ Das Biest röchelt, stoppt, stützt sich ab, rennt wieder los. Es springt auf und ab, immer wieder. Seine Schreie, hysterisch und quietschend hallen durch den Körper, ungehört.

„Neeeeiiiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnn“

Dann bleibt es stehen. Erschöpft und ganz gelb vor Hass und Wut.

„Na gut“ flüstert es, „Dieses Mal hast Du gewonnen. Ich gehe. Hörst du? Ich gehe. Ziehe mich zurück und warte. Weißt du, ich kann warten. Ich gehe in meine Höhle und warte auf den einen Moment. Der Moment mit dem du nicht rechnest. Dann tauche ich wieder auf, plötzlich und fordere mein Recht. Und du wirst verlieren, hahahahahaha, da schaust du was?“

Das Biest schlurft davon, pfeift ein Lied, lächelt. Es hat verloren. Dieses Mal. Aber so schnell gibt es nicht auf. Es kommt wieder.

Immer wieder.

Wenn du nicht damit rechnest.

daywalker2709 am 7.11.06 13:20

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