Trainingslager - Ein Erfahrungsbericht

Endlich war es soweit: Zeit für eine Bestandsanalyse, was nach wochenlangem pausieren an volleyballerischer Filigrantechnik noch übrig geblieben war. Vorbei das ewige Wühlen im Sand, das hilflose Augengereibe wenn sich wieder mal die halbe Sahara unter meinen Kontaktlinsen gesammelt hatte und endlich Schluss mit dem zermürbenden Sandgetrete, beim Versuch meine Untergröße durch Sprungkraft zu kompensieren. Die Halle rief!

 

Am vergangenen Freitag gab Henrik den Startschuss zu einem Trainingslager, in dessen Verlauf nicht nur ich erkannt habe, dass man Hallenvolleyball immer wieder neu entdecken kann – und dass Herrenknieschoner ausnahmslos riechen, als ob etwas hineingekrochen und darin gestorben wäre.

Zwölf wagemutige Recken hatten sich kurz nach halb Sieben eingefunden und mit nachdenklichem Blick wurde versucht zu analysieren, was das Grinsen auf Henriks Gesicht denn wohl bedeuten mag. Die Antwort kam prompt in Form eines lustigen Eigengewicht-zieh-Slalomlauf-Hürden-hopps-Spielchens. Demütig und voller Spannung ob meine Kniegelenke schon nach der ersten Runde in die falsche Richtung durchbrechen, stellte ich aber erfreut fest, dass individuelle Anpassungen der Strecke in Form von Neben-den-Hürden-Schleichen oder kreativem Hürden-Auslassen durchaus legal waren. Körperliche Gebrechen in Verbindung mit hohem Alter waren die genannten Gründe und bewiesen meine Vermutung: Der Mensch steht hier im Vordergrund.

Der Abend gestaltete sich abwechslungsreich und abgesehen von dem zunehmenden Mief in der Halle (etwa wie in einem Stall voller toter Iltisse) und einem unaufhaltbaren Dehydrierprozess meinerseits, habe ich ihn überlebt – juhuu.

 

Der zweite Tag begann für die 19 Teilnehmer mit kollektivem Joggen nach Leistungsklassen und entwickelte sich nach ca. 10 Minuten zu einer Art Fünfkilometerlauf der Orientierungslosen. Gott sei Dank kamen alle (ich glaube acht Grüppchen) wieder an der Halle an und die kleinen Teerklumpen, die ich während des Laufens auf den Asphalt gespuckt habe, sind bestimmt schon getrocknet. Lang lebe der Raucher!

In der Halle angekommen wurde trainiert, Mannschaftsauf- und Beamereinstellungen diskutiert und beim Mittagessen endlich wieder die Kalorien gefunden, die man zuvor mühevoll verloren hatte. Lecker Dressing!

Der Zirkel am Nachmittag rundete das Programm ab und bewies mir persönlich eindrucksvoll, dass der Name Terrorband durchaus seine Berechtigung hat. Auch hier stand Rücksicht auf körperliche Leiden im Vordergrund und der Anblick zur Spring-über-sechs-Hürden-Alternative wird sicher noch lange in meinem Gedächtnis bleiben. Das aus der Leichtathletik abgeschaute Stolzieren als ob ein Emu mitten im LSD-Rausch versucht, eine verschluckte Bisamratte wieder rauszuwürgen ist zwar unfassbar anstrengend aber auch extrem lustig zum Anschauen! (Sorry Anja!)

 

Nun denn, der Samstag ging vorbei und den Rest des Abends habe ich damit verbracht zum Knacken meiner Kniegelenke „Always look on the bright side of life“ zu pfeifen.

Nachdem in der Nacht irgendein Spaßvogel Moltofill in meine Gelenke gespritzt hatte, war der Einstieg in Tag drei nicht wirklich leicht. Trotzdem gelang es mir mit Hilfe zweier Zivis aus meinem Bett aufzustehen und mich zur Halle zu schleppen. Dort erwartete mich nach dem üblichen Aufwärmen ein buntes Programm aus Übungen, bei denen man springen muss –ach ja- und angreifen. Der Spaß am Springen zum einen und Henriks aufmunternde Worte „Ich bin überrascht, dass noch so viele dabei sind“ zum anderen, holten noch einmal alles aus mir heraus, zumindest bis zum Mittag. Vermutlich war es der Genuss eines Royal TS Menüs beim Amerikaner um die Ecke, der mich am Nachmittag zu einem verschwitzten Klumpen springenden Fleisches mutieren lies und nach Augenzeugenberichten (danke Marian!) reichte meine Sprunghöhe noch locker aus, um eine „Süddeutsche Zeitung“ darunter durchzuschieben.

 

Inzwischen kann ich wieder feste Nahrung zu mir nehmen und auch meine Gelenke haben das Moltofill restlos ausgeschieden – toll.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass es Spaß gemacht hat und ich ballen werde bis die Bänder reissen

daywalker2709 am 7.11.06 13:14

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Frechkerl (7.11.06 14:43)
Auch wieder sehr geil. Mehr davon aber Zacki.

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