Noch drei Zigaretten - ein Essay

Man bin ich stolz.
Ich sitze an meinem Computer und schreibe darüber, dass ich gleich das Rauchen aufhören werde. In meiner letzten Schachtel sind noch genau drei Zigaretten. Diese Dinger, die mich 17 Jahre lang durch mein Leben begleitet haben.
Mit relativ späten 18 Jahren habe ich angefangen. Das Motiv war „cool sein“, ganz einfach. Die erste schmeckte grauenvoll, das weiß ich noch. Als ich vor 17 Jahren zum ersten Mal Ananas gegessen habe, ist mir auch schlecht geworden. Ich esse bis heute keine Ananas. Ich habe damals auch nicht versucht, solange Ananas zu essen, bis sie mir schmecken, weit gefehlt. Aber nach der ersten Zigarette kam schnell die zweite.
 

Noch drei Zigaretten.

Vorausgegangen ist dem Entschluss die Aussage meiner Frau, etwa sieben Stunden zuvor. „Schatz, ich habe heute den ganzen Tag noch keine geraucht“. Das waren ihre Worte, die mich sichtlich überraschten, denn wir beide zählten uns zu den so genannten ‚Genussrauchern’. Ich dachte mir ‚Hey, gute Idee, das mache ich auch’. Damit nahm ein sehr seltsamer Nachmittag seinen Lauf. Um meine geschätzten Leser nicht zu sehr zu langweilen, kürze ich ab und erwähne nur, dass wir jetzt gerade einen Streit haben. Nicht über das Rauchen aufhören, nein, das wäre ja noch irgendwo logisch. Wir haben darüber gestritten, ob es sinnvoller ist, in einem Biergarten mit den Mitteln mobiler Datenerfassung oder mit Block und Stift zufriedene Kunden zu haben.
 

Noch zwei Zigaretten.

Das Ergebnis dieser spannenden Diskussion ist der Aufenthalt in verschiedenen Räumen. Meine Frau spielt „Bubbles“ an meinem Ipaq und ich sitze hier und schreibe – und rauche -. Albern, oder? Ich frage mich, wie oft streiten Menschen über „A“ wo sie doch eigentlich „B“ meinen. Noch ein Zug. Schmeckt toll. Wie kann ein Mensch ohne Rauchen glücklich sein? Es ist lecker. Rauch ist lecker, etwa so, wie wenn ich über einem offenen Kamin mit nassem, brennenden Holz stehe und tief einatme, nur ohne Nikotin. Es macht mich locker, denn schon nach der vierzehnten Zigarette, damals vor 17 Jahren, habe ich nicht mehr gehustet. Wie gesagt, bis heute keine Ananas mehr - nach der ersten.
Es hilft mir in allen Lebenslagen. Wenn ich schlecht drauf bin, legt das Nikotin einen bittersüßen Schleier auf meine Synapsen und schon bin ich gut drauf. Wenn ich gut drauf bin, macht es erst recht Spaß mir diese Dinger anzustecken und in Weltrekordgeschwindigkeit zu inhalieren. Man bin ich toll.

Unsere Gesellschaft ist geprägt von Regeln. Dabei ist der Fahrradsturzhelm genauso sinnvoll wie die lustigen Hinweise über absterbende Spermatozoen auf den Zigarettenschachteln. Weniger Verantwortung für den Einzelnen, mehr gut gemeinte Vorschläge und Regeln. Dummer Mensch, lass dir helfen. Darwin hat versagt, wir können alle retten, auch die Raucher.
 

Noch eine Zigarette.

Vor mir liegt die Schachtel. John Player, hellblau, nur 6 Milligramm Teer und nur 0,5 Milligramm Nikotin. Ich rauche gesundheitsbewusst, buhaaaaa! Jetzt muss ich selber lachen.
Ich habe Allen Carr gelesen, mehrfach. Das erste Mal habe ich ohne zu wollen fünf Monate nicht geraucht – und es war klasse. Das zweite Mal zwei Tage, schade. Er spricht von einem Biest, das in uns ruht und darauf wartet, dass wir schwach werden. Um schwach zu werden, muss ich aber erst einmal stark sein. Das Schlimme ist, dass der Mensch, als Krönung der Schöpfung, zu viel Verstand bekommen hat. Ein Mittel, das ihn veranlasst, Bomben zu bauen.
Hoch lebe die Krönung der Schöpfung.
Wie viele Tiere rauchen eigentlich? Diese niederen Geschöpfe, die von Menschenhand gekreuzt werden und….ich werde theatralisch, Entschuldigung. Ist aber auch wahr. Tiere fangen nicht zu rauchen an, weil sie nicht schreiben können, wenn sie aufhören wollen. Was für ein Fazit. Entweder das Nikotin in meinem Körper lässt nach oder es fängt gerade an zu wirken.
 

Die letzte.

Da brennt sie nun ohne zu wissen, welche tragende Rolle sie spielt. Brennt fröhlich vor sich hin, von Wissenschaftlern entwickelt, von Verpackungsingenieuren in Form gebracht, von Marketinggenies angepriesen und von Deppen wie mir geraucht.
Warum rauche ich nicht, wenn ich schlafe?
Warum fehlt mir die Sehnsucht nach ihr, wenn ich träume?
Warum geht es nicht ohne, so wie die ersten 18 Jahre meines Lebens. Jetzt ist sie aus. Zerdrückt im Aschenbecher. Tot.
Ich werde versuchen, Antworten zu finden.
Ich bin neugierig darauf. Der Geschmack in meinem Mund ist unangenehmer als der von frischen Ananas, soviel steht fest.
C’est la vie.

daywalker2709 am 7.11.06 13:08

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mäd.l / Website (7.11.06 13:11)
wünsch dir viel erfolg dabei nicht wieder anzufangen^^

<33 Jeanette

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